Clemens Fischer
@clemensfischer
Architekt aus München Mitgründer des Bluesky #Buchclub ● Über Bücher, Architektur, Neo-Klassik, und meinen Nebenjob als Statist in der Oper und was mich sonst gerade so beschäftigt. Mag die Berge (er/ihm)
10/10 Wer noch nie was von ihm gelesen hat sollte mit The Motel Life anfangen. Sein Debüt. Zwei Brüder, ein Motel, Reno, Alkohol, Schuld, Einsamkeit – und trotzdem diese unglaubliche menschliche Wärme. Vlautinschreibt über Menschen am Rand, ohne sie jemals auf ihren Rand zu reduzieren.
9/10 Vielleicht erklärt das auch, warum ich gerade wieder so gern zu Vlautin zurückgekehrt bin. Ich habe offenbar einen Hang zu Literatur über Menschen, die durch das gesellschaftliche Raster fallen – ähnlich wie bei Ocean Vuongs Der Kaiser der Freude.
8/10 Natürlich besteht bei solcher Literatur immer die Gefahr, dass eine Milieustudie irgendwann zu anrührend oder zu heimelig wird. Bei Vlautin spüre ich diese Gefahr durchaus. Aber: Er kennt diese Figuren. Er kennt diese Arbeit, diese Orte, diese Ängste.
7/10 In The Night Always Comes wird daraus ganz konkret Portland. Gentrifizierung, steigende Immobilienpreise, Verdrängung und die Angst, sich die eigene Stadt irgendwann nicht mehr leisten zu können. Ist gerade auch von Netflix verfilmt worden, habe ich aber nicht gesehen.
6/10 Richmond Fontaine und Vlautins Romane erzählen letztlich von derselben Welt: Motels, Bars, Tankstellen, heruntergekommene Häuser, lange Straßen, Gelegenheitsjobs. Menschen, die versuchen, irgendwie weiterzumachen.
5/10 1994 gründete Vlautin in Portland Richmond Fontaine. Eine Band zwischen Alternative Country, Americana, Punk und Folk. Ich habe sogar CDs von ihnen. Die die ich am meisten Mag: We Used to Think the Freeway Sounded Like a River. Schon dieser Titel könnte ein Vlautin-Roman sein.
4/10 Das hat wahrscheinlich auch mit seiner eigenen Biografie zu tun. Vlautin stammt aus Reno, Nevada, lebt heute außerhalb von Portland und hat selbst als Hausmaler gearbeitet. Bevor er als Schriftsteller bekannt wurde, war er vor allem Musiker. Und diese Erfahrungen merkt man seinen Büchern an.
3/10 Was ich an ihm so mag: Seine Figuren sind keine romantisierten „Underdogs“. Sie können unangenehm sein, egoistisch, süchtig, gewalttätig, feige oder verloren. Vlautin begegnet ihnen mit einer unglaublichen Wärme. Und: mit einem sehr genauen Blick.
2/10 Vlautin interessiert sich für Menschen, die im amerikanischen Traum keinen Platz gefunden haben: für Menschen, denen die Voraussetzungen fehlen, ihn überhaupt zu träumen. Arbeitslose, Alkoholiker, Gescheiterte, einsame Arbeiter, Menschen mit kaputten Familien und kaputten Biografien.
1/10 Ich habe gerade mal wieder 2 Romane von Willy Vlautin gelesen: The Night Always Comes und The Left and the Lucky. Beide mochte ich sehr. Und ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass Vlautin seit Jahren eigentlich dieselbe große Geschichte erzählt – nur mit immer neuen Figuren und Schauplätzen.
James Joyce - Ulysses Ich habe es tatsächlich als Hörbuch gehört. Dabei aber immer die Karte Kommentar zum Buch dabei gehabt und so hat es mir tatsächlich großes Vergnügen bereitet. Irgendwann lese ich es noch auf Englisch.
Der Bluesky Buchclub liest ab dem 10.8 Mord ohne Vorwort von Freya Sampson. Wenn du noch kein Mitglied bist und gerne mitmachen willst, antworte auf diesen Post. Nur Posts von Mitgliedern erscheinen mit dem Hashtag #buchclub im Feed Feed: t1p.de/buchclubfeed Alle Infos: t1p.de/buchclublinks
Marc Trevidic: Ahlam oder Der Traum von Freiheit erzählt, wie politische Umbrüche in das Leben einer Familie einschneiden. Besonders eindringlich ist, wie der Roman zeigt, dass Radikalisierung nicht abstrakt geschieht, sondern mitten in Freundschaften und Familien beginnt.
Ihr erinnert euch? Ich brauche nun eine Lesebrille. Hier ist sie!
Ducks von Kate Beaton ist viel mehr als eine Graphic Novel. Schonungslos, klug und berührend erzählt sie von harter Arbeit in den kanadischen Ölsanden, Machtmissbrauch und dem Preis des Überlebens. Eine der eindrucksvollsten Graphic Novels die ich in den letzten Jahren gelesen habe.
Ein Jahr älter und ich gehe - sehr passend - gleich die erste Lesebrille meines Lebens kaufen 😂
Der typische Münchner kennt mehr Südtiroler Dörfer als deutsche Bundesländer.
Der Bluesky Buchclub liest ab dem 21.6 Verbunden von Octavia E. Butler Wenn du noch kein Mitglied bist und auch gerne mitmachen willst, antworte auf diesen Post. Nur Posts von Mitgliedern erscheinen mit dem Hashtag #buchclub im Feed Feed: t1p.de/buchclubfeed Alle Infos: t1p.de/buchclublinks
Ich bin ein wenig japanophil und mir machen wertige im Idealfall zeitlose Gegenstände Freude. Ich habe einen Artikel über den Traditionsbetrieb Mujun gelesen und musste mir ihr Fuji Knife kaufen. 🙈 Im geschlossenen Zustand zeigt es den Fuji und die Welle von Kanagawa.🥰
Wie ich heute über alle lächle, die sich am Vatertag mit Bierkästen und Bollerwagen in die Selbstentwürdigung saufen und das dann ernsthaft als gelebte Männlichkeit verkaufen.